Unerwünschte Wechselwirkungen vermeiden

Digitale Medizin | 30. November 2017

„Arzneimittel sind in vielen Fällen entscheidend für den Heilungsprozess. Zugleich bestehen gesundheitliche Gefahren durch unsachgemäße Einnahme.“ Diese Aussage stammt von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und hat durchaus seine Berechtigung, denn man geht davon aus, dass etwa 5% der Krankenhausaufnahmen in Deutschland durch sorgenannte unerwünschte Arzneimittelereignisse verursacht werden. Neben Einnahmefehlern sowie unerwünschten Nebenwirkungen, spielen vor allem Wechselwirkungen zwischen Medikamenten oder Doppelverordnungen eine entscheidende Rolle. Gerade für ältere, chronisch und mehrfach erkrankte Menschen kann zu einem großen Problem werden.

Was versteht man eigentlich unter Arzneimitteltherapiesicherheit oder kurz AMTS?

AMTS [1]Aktionsplans zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit bezeichnet alle Maßnahmen, um den bestimmungsgemäßen Gebraucht eines Medikaments zu gewährleisten. So sollen unerwünschte Arzneimittelereignisse und Medikationsfehler vermieden und das Risiko für den Patienten minimiert werden.

Arzneimittelkonto NRW

Der Einsatz von Informationstechnik scheint auch in diesem Feld das Potenzial zu haben, die Patientensicherheit zu verbessern. Ein gutes Beispiel ist hier das vom Gesundheitsministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt: „Multidisziplinäre Arzneimittelversorgung und Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)“ oder kurz „Arzneimittelkonto NRW“ [2]Arzneimittelkonto NRW.

In diesem Projekt werden Ärzte, Apotheken, Pflegeheime in ihrer Zusammenarbeit digital unterstützt. Ins besonders werden Patienten sowie ihre Angehörigen aktiv mit einbezogen. Durch den digitalen vollautomatischen Austausch von Medikationsdaten zwischen den Leistungserbringern und dem Patienten können manuelle Fehler vermieden werden. Zudem prüft ein automatisch durchgeführter Arzneimittel-Check auf Wechselwirkungen, Kontraindikationen oder Doppelverordnungen [3]ifap Service-Institut für Ärzte und Apotheker GmbH. Diese Prüfung wird bei Verordnungen durch den Arzt, Ausgaben durch den Apotheker sowie bei Neueinstellungen von Medikamenten durch den Patienten in das zentrale Arzneimittelkonto durchgeführt. Damit werden unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) im Vorfeld aufgedeckt und verhindert. Als wissenschaftlicher Partner für die Evaluation des Projektes steht der Lehrstuhl für „Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement“ der Universität Bielefeld von Prof. Dr. Wolfgang Greiner zur Seite [4]Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie und -Management der Universität Bielefeld.

Das zentrale Arzneimittelkonto stellt damit seinen Teilnehmern einen digital austauschbaren Medikationsplan zur Verfügung.  Unsere App Mediteo bietet für die Teilnehmer des Arzneimittelkonto NRW die Möglichkeit, auf ihr persönliches Arzneimittelkonto zuzugreifen. Patienten können damit ihren aktuellen Medikationsplan jederzeit einsehen, ihren persönlichen Bundesmedikationsplan einlesen sowie selbst erworbene Medikamente direkt hinzufügen und sich an ihre individuellen Einnahmezeiten pünktlich erinnern lassen. Zusätzlich werden zu den einzelnen Medikamenten Anwendungshinweise, Informationen zu Neben- und Wechselwirkungen, sowie zur Dosierung bereitgestellt.

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